Gastbeitrag: Richtiges Vorgehen bei der Instandsetzung geschädigter Balkonplatten

Die Instandsetzung geschädigter Balkonplatten erfordert eine systematische Vorgehensweise. Eine fundierte Schadensanalyse der Ursachen ist die Basis dafür. Um darauf aufbauend ein funktionierendes Instandsetzungskonzept mit den notwendigen Maßnahmen erarbeiten zu können, ist ein geschultes Auge notwendig. Wie typische Schäden entstehen und welche Maßnahmen bei der Sanierung erforderlich sind, zeigen die nachfolgenden Praxisbeispiele.

Der neuralgische Punkt eines Balkons: die Vorderkante
Die Balkonvorderkante ist durch die exponierte Lage meist besonders durch hohe Temperaturschwankungen, Nässe und Frost-Tau-Wechsel beansprucht. Deshalb „rächen“ sich hier Bausünden besonders. Denn in aller Regel sind Schäden auf Versäumnisse in der Bauphase zurückzuführen.

Der Klassiker: abgeplatzte Betonkanten
Beton ist wasserbeständig und damit der ideale Baustoff für den Außenbereich. Warum platzen dennoch oftmals die Kanten von betonierten Balkonplatten ab? Das Zusammenspiel von Kohlendioxid in der Luft und Wasser bewirkt im Laufe der Jahre einen chemischen Prozess namens Carbonatisierung. In diesem werden alkalische Bestandteile des Betons in neutrales Calciumcarbonat umgewandelt. Dadurch geht nach und nach die schützende Schicht der Bewehrung verloren. Mit fatalen Folgen: Der Bewehrungsstahl rostet, erhöht dadurch sein Volumen etwa auf das 2,5-fache und baut dabei einen regelrechten Sprengdruck auf, der sich zunächst in Form von Rissen und im Fortschritt durch Abplatzungen des Betons äußert.


Abb. 1 Kanten-Abplatzungen (© PCI Augsburg GmbH)

Damit die Korrosion nach der Sanierung nicht erneut einsetzt, steht die komplette Entrostung des Bewehrungsstahls bei der Instandsetzung an erster Stelle. Der geschädigte Beton muss komplett abgetragen werden. Erst dann kann der Neuaufbau mit Korrosionsschutz, Haftbrücke und Reparaturmörtel erfolgen.


Abb. 2 Aufbringen des Korrosionsschutzes (© PCI Augsburg GmbH)

Besonders wichtig ist das korrekte Vornässen des Untergrundes vor dem Auftragen der sogenannten Haftbrücke. Die Saugfähigkeit muss dabei so reguliert werden, dass dem Frischmörtel nicht das erforderliche Anmachwasser entzogen wird, das für die Erhärtung erforderlich ist. Der Zementleim muss jedoch ungehindert in die Poren und Kapillare des Betons eindringen können. Dann ist die – im Grunde genommen mechanische – Verzahnung des Mörtels mit dem Untergrund möglich. Anschließend können Haftbrücke und Reparaturmörtel aufgebracht werden. Auf diese Weise entsteht ein kraftschlüssiger Verbund zwischen Altbeton und Reparaturstellen.


Abb. 3 Aufbürsten der Haftbrücke (© PCI Augsburg GmbH)


 Abb. 4 Reprofilierte Balkonvorderkante (© PCI Augsburg GmbH)

Unschön und vor allem kritisch: Wasserschäden
Auch Schäden an der Unterseite von Balkonen treten regelmäßig auf. Dabei handelt es sich nahezu immer um Feuchtigkeitsschäden aufgrund undichter Beläge. Das Wasser sickert langsam durch die Betonplatte und schädigt den Putz bzw. Farbanstrich an deren Unterseite. Neben dem optischen Manko sind vor allem Strukturschäden durch das Einwirken von Wasser oder  Eis langfristig vorprogrammiert. Blättern Farbe und Putz ab, sollte der Ursache auf den Grund gegangen und alle fehlerhaften und undichten Stellen umgehend beseitigt werden.

Stützpfosten dauerhaft dicht montieren
Gerade bei alten Balkonen wurden oftmals Stützpfosten aus verzinktem Stahl für das Geländer in die Balkonplatte einbetoniert. Durchaus praktisch und rationell, aber leider eine erhebliche Schadensquelle: Im Übergangsbereich zwischen Belag und Pfosten kommt es in den meisten Fällen zu Undichtigkeiten aufgrund abblätternder Beschichtungen, Rostentwicklung und Rissen in den Anschlussfugen.


Abb. 5 Schadensbeispiel Geländerpfosten (© PCI Augsburg GmbH)

Die technisch einwandfreie Lösung sind unterseitig befestigte Stützen, die in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich sind und sich auch bei Instandsetzungen problemlos mit geeigneten Spezialdübeln montieren lassen.


Abb. 6 Geländer (© www.steckwelt.eu)

Abschlussprofile: Die Entwässerung muss gewährleistet sein
Bei der Wahl der Abschlussprofile der Balkonplatte muss ein entscheidendes Detail – das Thema Entwässerung – beachtet werden. Denn das Anstauen von Wasser ist schädlich. Der Hauptteil des Regenwassers fließt zwar bei den meisten Belagskonstruktionen an der Oberfläche ab, ein Teil durchdringt ihn jedoch und muss auf der eigentlichen Abdichtungsebene abgeführt werden. Dazu sind folgende Bedingungen essentiell: ein ausreichendes Gefälle, eine möglichst ebenflächige Abdichtungsebene und die sogenannte Sekundärentwässerung. Bildet eine geschlossene Randschiene den Abschluss, kann das Wasser, das sich auf der Abdichtungsebene gesammelt hat, nicht mehr abfließen. Es bildet sich Staunässe. Die typischen Frostschäden an der Balkonvorderkante sind dann die Folge. Denn Eis hat ein um circa neun Prozent höheres Volumen als Wasser und baut damit – ähnlich wie Rost – einen Sprengdruck auf, der zu Abplatzungen führen kann.

Verbundabdichtung für Fliesen- und Naturwerksteinbeläge
Bei der Verlegung von Fliesen- und Naturwerksteinbelägen ist mit besonderer Sorgfalt auf die geeignete Abdichtung zu achten. Insbesondere an Einbau- und Abschlussteilen sowie am Übergang an die Hauswand einschließlich Balkontüre und Fensterfront muss mit Sorgfalt gearbeitet werden. Im Regelfall werden sogenannte Dichtschlämmen in Kombination mit Dichtbändern und Formteilen verwendet; aber auch spezielle Dichtbahnen kommen zum Einsatz. In jedem Fall muss sichergestellt sein, dass der Untergrund ausreichend ebenflächig ist und ein Gefälle von mindestens 1,5 bis 2 % aufweist.


Abb. 7 Ein ausreichendes Gefälle ist Grundvoraussetzung für das Aufbringen einer Verbundabdichtung. (© PCI Augsburg GmbH)


Abb. 8 Sorgfältige Ausführung der Anschlussdetails (© PCI Augsburg GmbH)


Abb. 9 flächige Spachtelung (© PCI Augsburg GmbH)

Wurde die Balkonplatte fachmännisch auf die beschriebene Weise saniert, ist sie zur Aufnahme des Oberbelages bestens vorbereitet. Mit modernen Fliesenklebern werden Keramik- oder Naturwerksteinbeläge weitestgehend hohlraumfrei verlegt. Mit der Weiterentwicklung der Systemkomponenten hat die Bauweise deutlich an Langlebigkeit gewonnen. Bei sachgemäßer Anwendung gewährleistet sie dauerhaft sicher verlegte und optisch ansprechende Beläge, die pflegeleicht, abriebfest und frostsicher sind.

Autor, Hans-Peter Schmied (Anwendungstechniker bei PCI Augsburg GmbH)