Gerade erst wurde das Projekt genehmigt und die Produktionen laufen bereits auf Hochtouren: Für die Erdgasleitung Nord Stream 2, die russisches Erdgas über die Ostsee nach Deutschland transportieren soll, werden jetzt die Rohre hergestellt, um den Bau des Projekts voranzubringen. Im Mukraner Wasco-Werk auf Rügen werden dafür nun rund 90.000 Rohre von etwa 390 Mitarbeitern mit einer neuen Schicht aus Spezialbeton ummantelt, die dann an der Pipeline montiert werden.

Schon für die Pipeline Nord Stream 1 wurden die Leitungen vor gut zehn Jahren auf der Ostseeinsel mit Beton verstärkt. Die Betonschicht soll die Rohre leistungsfähiger machen und das Erdgas mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h durchleiten. Außerdem werden die Rohre mit dem Betonmantel versehen, damit die Gasleitung nicht beschädigt werden kann und sicher auf dem Meeresgrund liegt.

© Nord Stream 2 / Axel Schmidt

Bereits 68.700 Rohre sind mit der Bahn von Mühlheim an der Ruhr nach Mukran transportiert worden. Von da aus werden die Rohrteile dann mit sogenannten MAFI-Trailern in die Anlage gebracht, um dort gewaschen, gewogen und vermessen zu werden. Um die Betonschicht zu stärken und eine einwandfreie Haftung an der Leitung zu ermöglichen, werden vorher sogenannte Armierungskäfige hergestellt, die an den Rohren installiert werden. Für die Betonummantelung wird vor Ort des Werks eine Mischung aus Zement, Magnetit, Agglomerat, Sand, Eisenerz und Wasser hergestellt und die Rohre in einer geschlossenen Anlage bei einer Geschwindigkeit von rund 190 km/h mit der Spezialmischung ummantelt.

Das Gewicht der 12 Meter langen Rohre wird durch den Beton von rund 12 auf 24 Tonnen verdoppelt, damit die Leitungen stabilisiert werden und geschützt sind. Die Betonschicht wird – abhängig davon, wie groß die Wandstärke der Rohre ist –  zwischen 60 und 110 Millimeter dick sein. Nach der Produktion muss die Ummantelung weitere 14 Stunden dampfgehärtet werden, damit sich die Rohre stabilisieren können. 250 Rohre sollen pro Tag in der Ummantelungsanlage auf der Insel angefertigt werden. Bisher wurden bereits 26.700 Rohre im deutschen Wasco-Werk ummantelt und lagern nun bis zum Abtransport im Lagerzentrum.

© Nord Stream 2 / Axel Schmidt

Bis Ende 2018 soll die Arbeit an den Rohren beendet sein, sodass diese dann ab Herbst mit Schiffen zum schwedischen Hafen Karlshamn gebracht werden können, um sie schließlich an der Pipeline in der Ostsee anzubringen.

Wasco Energy ist ein malaysischer Energiedienstleister, der von 17 internationalen Standorten aus agiert. Die Kosten für die Rohrummantelung belaufen sich auf rund 650 Millionen Euro. Die restlichen 110.000 Rohre für das Bauprojekt werden im finnischen Kotka-Hamina ummantelt. Die Erdgasleitung Nord Stream 2 soll Länder der EU mit russischem Erdgas versorgen. Seit 2011 wird dafür bereits die Nord Stream 1-Pipeline genutzt. Bis Ende 2019 soll das Bauprojekt fertiggestellt werden.