Die Carolabrücke über die Elbe ist eine von Dresdens wichtigsten Verkehrsadern. Über die Nacht vom 10. auf den 11. September 2024 ist sie teilweise eingestürzt - glücklicherweise ohne Verletzte. Ein Sprecher der Feuerwehr rechnet damit, dass auch weitere Teile der Brücke einstürzen werden.
Instandsetzung der Brücke war noch nicht komplett abgeschlossen
Die Carolabrücke wurde in der Vergangenheit bereits teilweise instand gesetzt, der betroffene Abschnitt stromabwärts sollte kommendes Jahr ertüchtigt werden. Laut jüngsten Untersuchungen hatte der betroffene Teil der Brücke eine Zustandsnote von 3,0 - 3,4. Das ist ein eher schlechter Zustand, der aber auch keine direkte Einsturzgefahr kennzeichnet.
Viele Brücken in Deutschland warten auf Ertüchtigung
Marco Götze, Diplomingenieur und Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken, ordnet das Unglück ein: „Dass eine Brücke in Deutschland kollabiert, ist zum Glück eine absolute Seltenheit. In der Regel werden alle Brücken systematisch geprüft, um solche Vorfälle auszuschließen. Allerdings ist es auch eine Tatsache, dass viele Brücken im Land auf eine Instandsetzung warten. Von mehr als 50.000 für den Verkehr relevanten Brücken, haben laut der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) fast 30 Prozent eine Zustandsnote von befriedigend oder schlechter. Die gerade in Dresden kollabierte Carolabrücke wird als innerstädtische Brücke in der Übersicht der BaSt nicht erfasst, liegt aber in dem allgemeinen Trend."
Brückeneinsturz ist Weckruf für die Politik
"Viele haben das Ende ihrer Belastbarkeit erreicht. Das überrascht nicht, schließlich sind mehr als die Hälfte von Deutschlands Brücken über 40 Jahre alt. FDP-Verkehrsminister Wissing forderte noch im Mai ein Pensum von 400 sanierten Brücken im Jahr, um die "Generationenaufgabe" Brückensanierung zu bewältigen. So lassen sich vielleicht die akutesten Infrastruktur-Notfälle in greifbarer Zeit angehen - bis bei diesem Pensum allerdings die Brücken mit einer Note von "befriedigend" oder schlechter angegangen werden, dürften knapp 35 Jahre ins Land gehen. Der Brückeneinsturz muss ein Weckruf für die Politik sein, massiv in den Erhalt und die Instandsetzung der Verkehrsinfrastruktur zu investieren und diese Aufgabe zur Chefsache zu machen", so Marco Götze.
Mehrere Tausend Brücken sind in ähnlichem Zustand wie die Carolabrücke
Dipl.-Ing. Siegfried Werner, Vorsitzender der Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V. ergänzt: „Die Carolabrücke ist ein gutes Beispiel dafür, dass Instandhaltung nicht nur akute Probleme angehen sollte. Tausende Brücken in Deutschland haben ein vergleichbares Alter und eine ähnliche Zustandsbewertung. Die Carolabrücke wurde in den vergangenen Jahren bereits schrittweise instand gesetzt und die genauen Ursachen des Kollapses sind bislang unbekannt. Ich vertraue allerdings darauf, dass hier genau untersucht wird, wie es zu dem Unglück kommen konnte und dass Lehren für die Zukunft gezogen werden. Erst einmal sollten wir froh sein, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind."
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