Eins der bekanntesten Denkmäler aus Beton steht im Herzen Berlins. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas befindet sich neben dem Brandenburger Tor und hat seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 Millionen an Besuchern angezogen. Gleichzeitig ebbt die Diskussion um das Mahnmal nie ab. Einer der Kritikpunkte betrifft den Zustand der Betonstelen: Die meisten von ihnen weisen Risse auf, die regelmäßig mit großem Aufwand repariert werden müssen. Doch nicht nur bei bekannten Denkmälern ist die Instandsetzung eine große Herausforderung. Auch bei vielen Bauwerken, die aufgrund ihrer kulturhistorischen Bedeutung unter Denkmalschutz stehen, bedarf die Instandsetzung intensiver Planung.  

Welche Rolle spielt der Denkmalschutz?

Immer mehr Betongebäude stehen unter Denkmalschutz. Vor allem der architektonische Stil der Brutalismus-Bauten der 1950er bis 1970er wird zunehmend als Kulturgut wertgeschätzt. Das Neue Rathaus in Pforzheim steht beispielsweise seit 2005 unter Denkmalschutz. Dabei unterliegen denkmalgeschützte Bauwerke strengen Vorschriften, die von ihren Eigentümern beachtet werden müssen. Betongebäude, die unter Denkmalschutz stehen, können also nicht ohne Weiteres baulich verändert werden. Heutzutage sollen bei denkmalschutzgerechten Erhaltungsmaßnahmen die vorhandenen Oberflächen so weit wie möglich erhalten werden. Auch in die Substanz soll möglichst wenig eingegriffen werden. Es ist wichtig, dass die ursprüngliche Konstruktion und Ausdrucksweise des Bauwerkes nicht durch die Instandsetzung verloren geht.

Wie läuft die Instandsetzung bei denkmalgeschützten Betonbauten ab?

Um einen Betonbau denkmalschutzgerecht instandzusetzen, ist eine enge Zusammenarbeit des Bauherren, der Planer und der Denkmalbehörde von großer Bedeutung. Zuerst wird der Ist-Zustand ermittelt, bevor alle mit einbezogenen Parteien gemeinsam den Soll-Zustand besprechen und festlegen.

Am Anfang steht eine genaue Bestandsaufnahme

Dafür werden zunächst die Schäden genau begutachtet und verschiedene Messungen durchgeführt. Typische Schadensbilder sind beispielsweise Risse, poröse Oberflächen, Abplatzungen aufgrund von mechanische Belastungen oder Wetter- und Umwelteinflüssen. Auch über das Bauwerk selbst müssen sich die Beteiligten genau informieren. Wann wurde es gebaut, waren bestimmte Baukonstruktionen typisch für die Zeit? Welche Umbauten und Erhaltungsmaßnahmen gab es bisher? Wie wird das Gebäude genutzt? Und wie sieht es mit der Tragfähigkeit aus?

Eine spannende Herausforderung für Betoninstandsetzer

Aber nicht nur die zu bekämpfenden Schäden, sondern auch die Art und Dauer der Nutzung und die finanziellen Möglichkeiten spielen eine Rolle für die Festlegung der Erhaltungsmaßnahmen. Für die Betoninstandsetzer ist es eine besondere Aufgabe, die technischen Anforderungen mit der Denkmalpflege abzustimmen. Dabei ist eine denkmalgerechte Instandsetzung nach den Regeln der Technik jedoch nicht immer umsetzbar. Je nach Ausgangssituation müssen die Betoninstandsetzer nach Absprache entscheiden, welche Maßnahmen notwendig sind: Reicht eine auf lokale Schäden konzentrierte, sprich substanzschonende, Instandsetzung aus oder sind großflächige Reparaturen unumgänglich? Außerdem müssen sie die Richtlinien der Denkmalpflege beachten. Beispielsweise sollen sich die neuen Elemente zwar harmonisch in das Bauwerk eingliedern, aber trotzdem vom Original zu unterscheiden sein, damit keine Verfälschung entsteht. Die beteiligten Betoninstandsetzer stehen also vor der interessanten Herausforderung, ein denkmalgeschütztes Gebäude mit umsichtigen Maßnahmen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten - jedoch möglichst ohne die Substanz des Baus zu verändern.