Bildrechte: Jule Janson

Jule Janson ist Betonbauerin aus dem baden-württembergischen Mühlacker und hat ihre Ausbildung bei der Firma Heinrich Ross in Pforzheim absolviert. Mit uns sprach sie über ihren Beruf und erklärt, was Frauen in der Baubranche erwartet:

Betoninstandsetzer: Warum hast du dich für eine Ausbildung als Betonbauerin entschieden und warum möchtest du danach Bauingenieurwesen studieren?

Jule Janson: Für die Ausbildung habe ich mich entschieden, da ich nach dem Abitur erst einmal etwas Praktisches machen wollte und mir dadurch auch erhofft habe, mehr Bezug zu dem späteren Studium zu haben, damit dieses nicht so sehr theoretisch ist.

Betoninstandsetzer: Wie wurdest du an die Ausbildung bzw. den Beruf herangeführt?

Jule Janson: Ich war zwar öfters im Betrieb meiner Mutter und habe dadurch auch schon viel mitbekommen, dass ich dann aber eine Ausbildung vor dem Studium mache, war eine relativ spontane Idee.

Betoninstandsetzer: Sind Familienmitglieder und Bekannte in diesem Umfeld tätig?

Jule Janson: Ja, meine Mutter ist Bauingenieurin und hat ein kleines Bauunternehmen, welches von meinem Opa gegründet wurde. Meine Schwester studiert derzeit Baubetrieb und mein Patenonkel ist ebenfalls Bauingenieur mit einer Maurerausbildung.

Betoninstandsetzer: Hast du Freundinnen, die einen ähnlichen Berufswunsch verfolgen?

Jule Janson: Nein, die meisten von ihnen studieren ganz normal.

Betoninstandsetzer: Was sagen deine Familie und Freunde zu deiner Ausbildung?

Jule Janson: Meine Eltern finden es gut, dass ich die Ausbildung gemacht habe, damit ich später auch von der Praxis Ahnung habe und nicht nur von der Theorie.

Betoninstandsetzer: Hast du bereits in deiner Schulzeit praktische Erfahrung sammeln können?

Jule Janson: Nicht wirklich, ich habe nur ein oder zwei Tage bei meiner Mutter in ihrer Firma mitgearbeitet.

Betoninstandsetzer: Inwiefern hast du dich über die Ausbildung informiert, bevor du angefangen hast?

Jule Janson: Hauptsächlich, indem ich mit meiner Mutter darüber geredet habe. Außerdem war ich davor auch einmal in unserem Ausbildungszentrum und habe mir dieses angeschaut und mit dem dortigen Ausbildungsmeister gesprochen.

Betoninstandsetzer: Liest du regelmäßig Nachrichten? Wie informierst du dich über aktuelle Branchennews und Trends? 

Jule Janson: Ich lese eher selten Nachrichten. Bei Trends ist es meistens so, dass ich es durch die Arbeit oder auch Ausbildung mitbekommen habe und mich dann manchmal im Internet darüber informiere.

Betoninstandsetzer: Welche Fähigkeiten sind in deinem Gebiet am meisten gefragt?

Jule Janson: Handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen, mathematisches Verständnis.

Betoninstandsetzer: Wie fühlst du dich als Frau in diesem männerdominierten Ausbildungsberuf?

Jule Janson: Unterschiedlich, da mich zwar der Großteil akzeptiert, aber ich bei manchen trotz allem noch mit Vorurteilen zu kämpfen habe.

Betoninstandsetzer: Kennst du andere Frauen in der Branche?

Jule Janson: Zum einen meine Mutter, die ja Bauingenieurin ist. Außerdem habe ich, als die Meisterprüfung bei uns im Ausbildungszentrum abgenommen wurde, eine angehende Maurermeisterin gesehen.

Betoninstandsetzer: Gab es Momente, in denen du dich bevorzugt oder benachteiligt gefühlt hast?

Jule Janson: Ja, zum Beispiel auf der Baustelle musste ich meistens nicht Beton wegspitzen, was ich als männlicher Auszubildender auf jeden Fall hätte machen müssen. Benachteiligt habe ich mich eigentlich nicht gefühlt, da meine Kollegen es eigentlich immer nur gut gemeint haben, wenn sie mich zum Beispiel schwere Sachen nicht machen lassen wollten.

Betoninstandsetzer: Hast du bisher negative Erfahrungen gesammelt?

Jule Janson: Ich habe nur negative Erfahrungen bezüglich der Akzeptanz mancher Menschen gemacht, die mich auf der Baustelle arbeiten sehen. Ansonsten aber eigentlich nicht.

Betoninstandsetzer: Was fasziniert dich an deiner Ausbildung bzw. dem Lehrangebot?

Jule Janson: Ich mag einfach, dass man am Ende vom Tag sieht, was man den Tag über gearbeitet hat. Außerdem finde ich es cool, wenn man an Häusern vorbei fährt und sagen kann, dass man dort mitgearbeitet hat.

Betoninstandsetzer: Wieso glaubst du, ist diese Branche so männerdominiert?

Jule Janson: Ich denke das liegt daran, dass es auf der Baustelle immer noch körperliche Arbeit ist und auch das Studium sehr technisch ist, was viele Frauen abschreckt. 

Betoninstandsetzer: Könnte deiner Meinung nach etwas an der Ausbildung bzw. dem Studiengang verändert werden, sodass mehr Frauen Zugang zu diesem Bereich finden?

Jule Janson: Ich denke man muss mehr Werbung für die Branche machen, da viele Frauen überhaupt nicht wissen, wie vielfältig der Bereich ist und man auch als Frau sehr gute Karrieremöglichkeiten hat.

Betoninstandsetzer: Ist es die Ausbildung oder der anschließende Berufsalltag, der Frauen davon abhält, diesen auszuführen?

Jule Janson: Ich denke beides, da es doch körperlich anstrengend ist. Wobei im anschließenden Berufsalltag dazukommt, dass es schwierig ist, den Berufsalltag mit einer Familie unter einen Hut zu bringen, da man schlecht halbtags arbeiten kann.

Betoninstandsetzer: Wenn du einen Blick in die Zukunft werfen würdest, glaubst du, dass Familienplanung und der Beruf als Bauingenieurin vereinbar sind? Wie schätzt du dieses Thema für männliche Kollegen ein?

Jule Janson: Ich denke als Bauingenieurin ist es machbar, da man bei diesem Beruf auch weniger Stunden in der Woche arbeiten kann. Natürlich kann man dann generell nicht in die großen Firmen gehen, da diese dann auch Baustellen im Ausland haben und das dann mit einer Familie schwierig wird. Ich denke, dass sich das Thema bei männlichen Kollegen gleich verhält. 

Betoninstandsetzer: Hast du Vorbilder in der Branche?

Jule Janson: Nicht wirklich, eventuell meine Mutter, da diese als Bauingenieurin ja in der gleichen Branche unterwegs ist. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie dadurch ein Vorbild in dem Sinne ist.

Betoninstandsetzer: Muss man als Frau bestimmte Charakterzüge aufweisen, um sich in dem Beruf zu beweisen?

Jule Janson: Ja, ich denke man muss zielstrebig sein und sich nicht unterkriegen lassen. Und man darf nicht die typische Frau sein, die sich zu schade ist, um dreckig zu werden.

Betoninstandsetzer: Nehmen dich deine Kollegen ernst?

Jule Janson: Die meisten schon, nur die älteren haben eine andere Einstellung dazu.

Betoninstandsetzer: Gibt es Unterschiede, was die Leistung angeht?

Jule Janson: Ich denke, dass es Unterschiede bezüglich der Kraft gibt, da ich die schweren Sachen nicht so lange tragen kann wie ein Mann.

Betoninstandsetzer: Sollte man mehr für diesen Beruf in der -ffentlichkeit werben - sei es in Schulen, im Internet oder auf Messen?

Jule Janson: Ja, da die Baubranche generell noch einen sehr schlechten Ruf hat.

Betoninstandsetzer: Hat dich deine Ausbildung geprägt oder verändert?

Jule Janson: Ja, ich bin dadurch offener geworden.

Betoninstandsetzer: Würdest du dir wünschen, dass mehr Frauen in dieser Branche tätig werden?

Jule Janson: Ja.

Betoninstandsetzer: Findest du, dass Frauen in der Baubranche generell die -ffentlichkeit und vor allem andere Frauen mehr über ihre Arbeit informieren und begeistern sollten? 

Jule Janson: Ja, da durch Gespräche mit anderen Frauen deren Interesse für die Baubranche wachsen könnte.