Wie wichtig Brücken für unser Leben sind, ist den meisten Menschen kaum bewusst. Dabei stehen diese komplexen Bauten für den Anschluss und die Zusammenführung von Landschaftsteilen und Menschen wie kaum etwas anderes. Sie sind Meisterleistungen der Ingenieurskunst. Die Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure (VBI) haben einen Preis ins Leben gerufen, der die schönsten und innovativsten dieser anspruchsvollen Bauwerke auszeichnet. Die Endrunde dieses besonderen Wettbewerbs wurde mit der Bekanntgabe der sechs Finalisten für das Jahr 2020 eingeläutet. Zu ihnen gehört die Elster-Brücke bei Neudeck im südlichen Brandenburg - ein historisches Zeugnis des frühen Betonbrückenbaus.

Bogenbrücke aus Stampfbeton
Die über die Schwarze Elster führende Brücke wurde im Jahr 1905 errichtet. Sie ist 70 Meter lang und besteht aus drei Betonbögen: Die Seitenbögen umspannen je 18 Meter, während die Spannweite des Mittelbogens 27 Meter beträgt. Die rund 90 Zentimeter dicken Bögen wurden aus unbewehrtem Stampfbeton gefertigt - ein Material, das Anfang des 20. Jahrhunderts als neuartig galt. Die Stirnseiten sind ebenfalls aus Beton. Allerdings erinnern die Frontseiten durch die Strukturierung an verblendeten Naturstein.

Besondere historische Bedeutung
Für die Bewohner ist die Brücke nicht nur aufgrund ihrer Bauweise und wichtigen Bedeutung ein Monument, das es für die Nachwelt zu erhalten gilt: Zum Ende des Zweiten Weltkriegs sollte die Brücke von abziehenden deutschen Truppen gesprengt werden, um den Vormarsch der Roten Armee aufzuhalten. Doch der ortsansässige Bauer Otto Nicklisch schaffte es, die Brücke zu retten, indem er die  Zündkabel der Sprengladungen zerschnitt. Zu seinen Ehren wurde eine Gedenktafel an der Brücke angebracht. Über die Jahre wurde die Stampfbeton-Bogenbrücke baufällig und 2006 verhinderte das Landesamt für Denkmalpflege den Abriss, der aufgrund des schlechten Zustands geplant war.

Beispielhafte Instandsetzung
Das Team um den Bauingenieur Carsten Richter kümmerte sich mit der Sanierung um den komplexen und behutsamen Umbau. Die historische Stampfbeton-Bogenbrücke sollte unbedingt ihr ursprüngliches Erscheinungsbild behalten und gleichzeitig vollwertig nutzbar und belastbar sein. Die mehr als ein Jahrhundert alten, wertvollen Betonbögen konnten dank genauer Untersuchung der Tragfähigkeit und einer Leichtbeton-Füllung, welche die Belastung reduziert, erhalten werden. Neue Stirnwände aus Beton wurden entsprechend des ursprünglichen Erscheinungsbildes errichtet. Dabei legten die Instandsetzer Wert darauf, dass die gefugte Außenseite, die Nischenausbildung der Gesimsköpfe, die Pfeileraufbauten und die Geländer nicht außer Acht gelassen wurden.

Die Jury des Deutschen Brückenbaupreises 2020 lobte die hohe Qualität der Instandsetzung, die durch die vorbildliche Verbindung traditioneller Handwerkskunst mit hohem Sachverstand und dem Einsatz experimenteller Tragsicherheitsuntersuchungen bei gleichzeitiger rechnerischer Begleitung ausgeführt wurde. Dank der 1,5 Millionen teuren Sanierung entspricht die Elster-Brücke bei Neudeck nicht nur den ästhetischen Ansprüchen des historischen Originals, sondern erfüllt ebenfalls die Anforderungen des heutigen Verkehrs sowie des Denkmal- und Umweltschutzes.

Wir drücken die Daumen, dass die Elster-Brücke bei Neudeck am 09. März 2020 als einer der beiden Gewinner ausgezeichnet wird!