Seit Jahren suchen Forscher konstant nach Möglichkeiten, um Zement und Beton zu optimieren. Jetzt entwickelten sie einen neuen, umweltschonenderen Baustoff: Eine Art Beton aus Bakterien, welche leben und den Baustein stets erneuern und wiederherstellen. 

Bakterien als Hauptbestandteil
Der Baustoff besteht aus einem Gerüst aus Sand und einem Hydrogel wie Gelatine. In diesem Hydrogel wird der wichtigste Bestandteil eingesetzt: Bakterien aus der Gattung der Synechococcus, welche Fotosynthese betreiben. Bei der Gewinnung von Energie nehmen sie CO₂ auf und produzieren dabei Kalk, welcher ein wichtiger Bestandteil von Zement ist. Die Bakterien stoßen Mineralisierungsprozesse an und so binden die Mikroorganismen die Gelatine und den Sand zusammen. Sobald dieses Gemisch im nächsten Schritt austrocknet, wird es hart wie Mörtel und ähnelt sehr dem Beton.

Selbstheilung durch Mikroben
Besonders an dem "neuen" Beton ist, dass das Herstellungsverfahren nicht jedes Mal erneut durchgeführt werden muss. Zerbricht der Baustein, wächst dieser mit Hilfe von etwas zusätzlichem Sand, Nährstoffen und Hydrogel wieder vollständig in die vorgegebene Form zurück. Durch dieses Prozedere kann ein einziger Baustein sogar über mehrere Generationen hinweg vervielfältigt werden: Aus einem Originalstein können somit weitere entstehen.

Fast nur Vorteile?
Neben diesen ganzen Vorteilen ist der neue Baustoff auch noch umweltfreundlicher als herkömmlicher Beton. Bei der Produktion wird kaum CO₂ freigesetzt. Gleichzeitig verbrauchen die Mikroben bei ihren Aktivitäten auch Treibhausgas und sind somit sogar umweltfördernd. Außerdem ist das Material sehr stabil und ähnlich stark wie zementbasierter Mörtel. Grundsätzlich ist der lebende Beton im komplett ausgetrockneten Zustand am stabilsten. Das kann jedoch problematisch werden, da die Bakterien nur in feuchter Umgebung überleben können: In trockenen Gebieten ist es bislang nicht möglich, sie feucht zu halten, und zu viel Trockenheit schadet den Bakterien im Material. 

Deshalb sind wir gespannt, wie sich die Forschung zum selbstheilenden Beton entwickelt und was dieser in der Zukunft bewirkt. Vielleicht arbeiten unsere Betoninstandsetzer ja bald hauptsächlich im Labor?