Instandsetzung näher betrachtet: Der Kirchturm der Evangelischen Heilig-Geist-Kirchengemeinde in Wiesbaden-Biebrich

1960 beschloss die drei Jahre zuvor selbstständig gewordene evangelische Gemeinde in Wiesbaden-Biebrich, ein neues Gotteshaus zu errichten. Der für die Zeit architektonisch außergewöhnliche Bau wurde 1959 von Prof. Dr. Ing. Herbert Rimpl entworfen: Neben knapp 4000 Kubikmetern Holz, sowie 50 Tonnen von Eisen und Stahl, die das Bauwerk stabilisieren, wurde das Kirchenschiff vollständig aus Beton erstellt. 

1961 eingeweiht, wurde das Gotteshaus und der Kirchenturm mit ihren parabelförmigen Dächern als "kühnste Kirche Hessens" betitelt (Quelle: Wiesbadener Kurier).

historisches Foto Turm sauber

Nach über 50 Jahren zeigte das Bauwerk erste immer stärkere Witterungsschäden und im Jahr 2015 wurde zwischen März und November zunächst der Kirchturm instandgesetzt. Die Bauleiter mussten bei einer Kirchturmhöhe von ca. 28 Metern ein ganz besonderes Augenmerk auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz legen, um das sichere Arbeiten am Bau zu gewährleiste

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Mit einer reinen Instandsetzung war es hier nicht getan: Die zwischenzeitlich auch auf dem Turm aufgebrachte Kupferblechabdeckung musste zurückgebaut werden. In dem Luftspalt zwischen Blech und unbeheizter Betonwandung hatte sich von innen bereichsweise Kondenswasser gebildet, welches die Karbonatisierungskorrosion (Rosten) der äußeren Betonstahllage begünstigte. Durch die wechselnden Jahreszeiten verschlechterte sich der Zustand zusehends. Mit der sorgfältig durchgeführten Betoninstandsetzung (mittlere Fotozeile) erhielt der Turm wieder die helle Schutzbeschichtung, wie ursprünglich nach der Errichtung (erstes Foto). Zusätzlich musste das Stahlkreuz erneuert, die Starkstromanlage für den Glockenbetrieb sowie die Glockenanlage überarbeitet werden (untere Fotos). Die Gesamtkosten inklusive der Glocken- und Glockenstuhlüberarbeitung betrugen ca. 300.000 Euro. Den größten Teil davon übernahm die Kirchenverwaltung, den übrigen Anteil musste die Gemeinde und aus eigenen Mitteln tragen, einen Teil übernahmen aber auch viele und großzügige SpenderInnen

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Als der Kirchturm dieses einzigartigen Sakralbaus Ende letzten Jahres in neuem Glanz erstrahlen durfte, ließ sich der Pfarrer die Freude nicht nehmen, bei der Bauabschlussfeier jede Glocke seiner Gemeinde einzeln zu präsentieren - um sie anschließend in einem Crescendo aller Glocken ertönen zu lassen.

Bildmaterial: © Prof. Dr. Michael Schäper, evHGKG, Fa.Huhle und K.H.Wilhelm

 

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