Serielles Bauen und Bestandssicherung gegen Wohnungsknappheit

Ein über zehnstöckiger grauer Plattenbau mit Balkonen

Die Äußerungen von Kanzler Scholz zur Wiederbelebung bestehender Siedlungen in Trabantenstädten als Lösung für die Wohnungsknappheit in Ballungsräumen haben gemischte Reaktionen hervorgerufen. Der schlechte Ruf von Plattenbauten sowohl im Westen als auch im Osten prägt das Bild dieser Siedlungsform. Beispiele wie das Märkische Viertel in Berlin oder Lichtenhagen in Rostock stehen für soziale Probleme und Ausgrenzung. Trotzdem betonen Befürworter die Vorteile des seriellen Bauens und plädieren für eine Renaissance. Serielles oder modulares Bauen mag zwar im Neubausektor vorteilhaft sein, kann jedoch allein die derzeitige Wohnungsnot nicht lösen. Dafür muss auch umfassend in die Erhaltung des bestehenden Wohnungsbestands investiert werden, was oft kostengünstiger und nachhaltiger im Vergleich zum Neubau ist. 

Aus der Not entsteht eine Chance

Ursprünglich wurde die Großwohnsiedlung als Antwort auf die massive Wohnungsnot in der Nachkriegszeit konzipiert. Sowohl in der DDR als auch in der alten Bundesrepublik fehlte es nach 1945 aufgrund der Kriegszerstörung und des Zuzugs von Flüchtlingen massiv an Wohnraum. Die serielle Bauweise von Plattenbauten erwies sich als effiziente Lösung, um schnell und kostengünstig großen Wohnraum zu schaffen. Die ersten Siedlungen der Nachkriegszeit, wie die Waldstadt in Karlsruhe oder Mainz-Lerchenberg, wurden noch nach städtebaulichen Prinzipien mit niedrigen Gebäuden und großzügigen Grünflächen gestaltet. Auch Projekte wie das Hansa-Viertel in Berlin, das während der Internationalen Bauausstellung Interbau 1957 präsentiert wurde, zeigen, dass Plattenbauweise nicht zwangsläufig zu sozialen Problemen führen muss.

Die Herausforderungen der zweiten Generation 

In den frühen 1960er Jahren wurden Großwohnsiedlungen jedoch in größerem Maßstab und mit höherer Verdichtung errichtet, was stadtplanerisch nicht immer erfolgreich war. Leider haben solche "Beton-Silos" aus dieser Zeit dem Baustoff Beton ein negatives Image verliehen, obwohl er bei guter Verarbeitung langlebig und vielseitig einsetzbar ist.

Nachhaltigkeit und Effizienz im Fokus 

Trotzdem bietet serielles Bauen mit Beton viele Vorteile. Es ermöglicht eine schnelle und kostengünstige Schaffung von Wohnraum. Zudem ist die Bauweise oft nachhaltig, da weniger Baustellenabfälle anfallen und Sekundärbaustoffe verwendet werden können. Die Einführung bundeseinheitlicher Vorschriften für den Einsatz von Recyclingbeton verstärkt diesen Effekt weiter.

Die Zukunft des Wohnungsbaus 

Es ist wichtig, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und moderne, nachhaltige Siedlungsprojekte zu entwickeln. Mit einer Kombination aus Erhaltung bestehender Siedlungen und gezieltem Neubau können schnell und kostengünstig Wohnungen geschaffen werden, die den sozialen und ökologischen Anforderungen gerecht werden. Marco Götze, Vorsitzender der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken, ordnet ein: "Seit Jahren wächst hierzulande die Wohnungsnot, nicht nur in Ballungsräumen, sondern auch in ländlich geprägten Gebieten. Es muss dringend gehandelt werden, aber mit Neubauten allein wird die Wohnungssituation nicht schnell genug entschärft werden können. Gerade auch angesichts von steigenden Materialpreisen bietet die Sanierung und der Erhalt von Wohnsubstanz eine realistische Perspektive, zeitnah bezahlbaren Wohnraum für mehr Menschen zu schaffen."

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