Betonsanierer, Beton- und Stahlbauer, Meister oder auch Bauingenieur: Arbeit rund um den Beton hat Zukunft. Wer überlegt, in dieser Richtung eine Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren, liegt derzeit genau richtig. Deutschland braucht dringend Nachwuchs und -schub von Ingenieuren und anderen Fachkräften: Diese Schlagzeile taucht immer wieder in den Zeitungen auf und betrifft auch die Baubranche. Eine umfangreiche Studie der Bundesanstalt für Wasserbau (BWA) warnt aktuell vor dem zukünftigen Mangel an Bauingenieuren. Bei der Untersuchung berücksichtigte die BWA den Arbeits- und Ausbildungsmarkt, das Angebot an Ingenieurdienstleistern, die Aussagen von Baufirmen sowie das Bau- und Investitionsvolumen in Deutschland und Europa.

Der aktuelle Arbeits- und Ausbildungsmarkt
In den vergangenen Jahren gab es eine anhaltend gute Auftragslage in der Baubranche, die nun eine verstärkte Suche nach Ingenieuren zur Folge hat. In der Studie gehen Experten davon aus, dass sich dies in den zukünftigen Jahren nicht ändern wird, auch wenn das Wachstum für das Jahr 2019 im Vergleich zu den vorherigen Jahren etwas schwächer eingeschätzt wird. Denn inzwischen ist die Nachfrage nach Bauingenieuren wesentlich größer als das Angebot, sodass sie zu einer der am stärksten gesuchten Berufsgruppen in Deutschland gehören. Die Bundesagentur für Arbeit gab an, dass 2017 zum ersten Mal mehr Stellen für Bauingenieure ausgeschrieben als Bauingenieure arbeitslos waren. Seitdem kommen fünf offene Stellen auf einen Arbeitssuchenden in dieser Branche.

Nicht ausreichend Nachwuchs in Sicht
Durchschnittlich 6000 Absolventen des Bauingenieurstudiums pro Jahr sind eigentlich kein schlechter Schnitt bei 4500 Arbeitnehmern aus derselben Branche, die pro Jahr in Rente gehen. Obwohl es dadurch einen leichten Überschuss von ungefähr 1500 Absolventen gibt, wird der Arbeitsmarkt sich kurz- und mittelfristig wohl nicht entspannen können, ganz im Gegenteil. Die Studierenden können die in Rente gehenden Ingenieure nicht alle ersetzen und währenddessen noch die gestiegene Nachfrage bedienen.

Derzeit ist jeder vierte Erwerbstätige in der Bauplanung, der Architektur und der Vermessung bereits über 55 Jahre alt. Wird die ganze Gruppe von 55- bis 65-Jährigen gemessen, geht jeder fünfte spätestens in 10 Jahren in Rente, was zirka 45.000 Arbeitenden entspricht. Dramatischer ist die Situation allerdings bei der Gruppe der 45- bis 55-Jährigen, die ein Drittel der Erwerbstätigen ausmachen. Wenn sie den Arbeitsmarkt in 10 bis 20 Jahren verlassen, kann die Lücke, die sie hinterlassen, nicht mehr kompensiert werden, da die jetzigen 25- bis 35-Jährigen den zweitkleinsten Anteil der Branche bilden.

Obwohl das Bauvolumen nicht mehr ganz so rasant wächst wie in den vorherigen Jahren, kann auch der Überschuss der Absolventen die Lücke nicht mehr füllen. Mit dem jetzigen Übermaß an offenen Stellen für Bauingenieure verschärft sich das Problem des Fachkräftemangels zunehmend.

Überblick über das Bau- und Investitionsvolumen in Deutschland
Das Bauvolumen in Deutschland ist seit 2013 kontinuierlich gestiegen: Lag es damals noch bei 315,92 Milliarden Euro, wurde es für 2018 auf insgesamt 392,31 Milliarden geschätzt. Trotz des schwächer erwarteten Anstiegs für das Jahr 2019 wird sogar mit einem Bauvolumen in Höhe von 414,05 Milliarden Euro, also knapp 100 Milliarden Euro mehr im Vergleich zum Jahr 2013, gerechnet.

Grund für die vermehrte Nachfrage nach Bauleistungen ist vor allem der Wohnungsbau. Aber nicht nur dort, sondern auch allgemein würden viele Bauunternehmen gern noch mehr Aufträge annehmen, was sie aber durch den Mangel an Kapazitäten aufgrund fehlender Fachkräfte nicht können. In einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) äußerten sich rund 80 Prozent der befragten Bauunternehmen besorgt über den Fachkräftemangel und sehen diesen als das größte Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung an.

Lösungen für das Problem Fachkräftemangel?
Die Bundesanstalt für Wasserbau hat einige Lösungsvorschläge für das Problem des Mangels an Bauingenieuren und anderen Fachkräften vorgebracht: Zunächst sollten die Bauprojekte je nach Dringlichkeit priorisiert und der Planungsaufwand möglichst reduziert werden. Weiterhin schlagen die Experten vor, die rechtlichen Verfahren zu vereinfachen, Konflikte der am Bau Beteiligten zu reduzieren, die Ingenieure nur in ihren Kernkompetenzen einzusetzen, die Effizienz durch die Digitalisierung von Ingenieurleistungen zu steigern und letztendlich auch die Absolventenzahlen von Bauingenieuren an Universitäten und Hochschulen zu steigern.

Während die erstgenannten Methoden das Problem direkter und kurzfristiger anpacken, muss vor allem auch auf den Nachwuchs gesetzt werden. Bei Betoninstandsetzer können Beton- und Stahlbauer zusätzliche Qualifikationen als Betonsanierer und Kolonnenführer erwerben und damit später auch noch in das Bauingenieurwesen einsteigen. Diese Jobs haben Zukunft!