Mehr als nur ein Baustoff – Die Betonschallplatte

Schwarz, rund und aus Vinyl - die Schallplatte ist seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch. Aber nur die wenigsten Musikliebhaber werden beim Anblick ihrer Sammlung an Beton denken. Doch es gibt sie, die Schallplatte aus Beton. Sie ist sogar auf jedem gängigen Schallplattenspieler abspielbar, ohne Schäden an der Nadel des Plattenspielers zu verursachen. „Satisfaction" von den Rolling Stones ist auf der Platte in sehr guter Qualität zu hören. Entwickelt wurde sie von Ricardo Kocadag, Student des Bauingenieurwesens an der Beuth Hochschule für Technik Berlin, in seiner Zeit als Werkstudent bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). Ein Jahr Arbeit steckt in der grauen Schallplatte. Fließmittel, Verzögerer, Quarzmehl, Zement, Microsilica und Quarzsand sind die Grundzutaten für die sechs Millimeter dicke Beton-Platte: alles Bestandteile des Ultrahochleistungsbetons UHPC.

 

Der Beton der Zukunft

Ultrahochleistungsbeton, kurz UHPC (Ultra High Performance Concrete), hat eine in etwa sechsmal so hohe Druckfestigkeit wie Normalbeton und kann damit sogar mit Stahl konkurrieren. Außerdem nimmt UHPC weniger Wasser auf als gängiger Beton und wird dadurch 30-50% leichter. Für die Herstellung des Baustoffes wird zudem weniger Zement benötigt und somit 40 Prozent weniger CO2 freigesetzt. Das macht das neue Hightech-Material umweltschonend. Dazu Kocadag: "Das ist von zentraler Bedeutung, führt man sich vor Augen, dass die jährliche weltweite Zementproduktion das Vierfache der Menge an CO2  im Vergleich zum Flugverkehr ausstößt."

Neben diesen positiven Eigenschaften hat UHPC vor allem architektonische Vorteile gegenüber herkömmlichem Beton: es ermöglicht filigrane Bauten und schwindelerregende Brückenbauwerke. Diese leichte und materialsparende Bauweise war bisher nicht möglich. Die älteste Brücke aus UHPC ist noch keine 20 Jahre - über die Haltbarkeit und Lebensdauererwartung kann also in der Praxis noch nicht viel gesagt werden. Laborversuche haben aber gezeigt, dass mit ca. 200 Jahren gerechnet werden kann.

Doch warum nun die Schallplatte aus dem neuen Beton? Ihr Entwickler Ricardo Kocadag sagt dazu: "Wir wollten zeigen, welche Möglichkeiten der Baustoff bietet und so auf den neuen Ultrahochleistungsbeton aufmerksam machen. Wenn sogar die feinen Rillen einer Schallplatte in den Beton eingearbeitet werden können, verdeutlicht das sehr anschaulich, was UHCP für die moderne Architektur leisten kann."
Im Übrigen ist UHPC auch für die Instandsetzung beanspruchter Tragwerke aus Beton geeignet und damit auch für Betoninstandsetzer ein Baustoff, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

 

Foto: Ricardo Kocadag

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