Vor wenigen Wochen wurde der Teepott in Rostock als “historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland” von der Bundesingenieurkammer und der Ingenieurkammer Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Damit zählt der Teepott zu einem elitären Kreis von gerade einmal 23 Bauwerken, die mit diesem Titel ausgezeichnet wurden. Als eines der wichtigsten DDR-Bauwerke im Norden wurde das Betonschalendach des Teepotts bereits 1984 unter Denkmalschutz gestellt.

Moderner DDR-Bau in Warnemünde

Eben jenes markante Hyparschalen-Dach des Gebäudes wurde 1968 von dem Bauingenieur Ulrich Müther errichtet. Müther gilt als Pionier der Schalenbeton-Bauweise und als einer der bedeutendsten Baumeister der deutschen Nachkriegszeit. Mit seiner Bauweise hat er die moderne Architektur der DDR maßgeblich gestaltet, da sie im Gegensatz zu den Plattenbauten steht. Das Betonschalendach des Teepotts besteht aus drei Hyparflächen, die sich auf Stahlträger stützen. Ähnlich wie bei Brückenbauten wirkt sich die Konstruktion auf die Gesamtform des Gebäudes aus. Zusammen mit dem Warnemünder Leuchtturm bildet der Teepott an der Uferpromenade das architektonische Highlight des Ostseebades.

Teepott muss instandgesetzt werden

Das Bauwerk ist jedoch stark beschädigt und muss wieder instand gesetzt werden. Einem Gutachten zufolge wird der Innenausbau stark bemängelt. Stromleitungen sind beispielsweise nicht ausreichend gesichert, Fußbodenaufbauten sind marode und das Dach undicht. Zudem sind die Stahlträger, die das Dach und die Glasfassade tragen, nicht ausreichend gegen die Seeluft geschützt und fangen an zu rosten. Ein Teil des Tragwerkes soll zudem im Zuge einer vorherigen Ausbesserung durchtrennt worden sein.

Insgesamt soll die komplette Instandsetzung rund 20 Millionen Euro kosten. Ein großes Problem für die Sanierung stellen die Eigentumsverhältnisse von Grund und Bau dar – das Grundstück gehört der Stadt und das Gebäude einer Stiftung. Diese will den Teepott nur instand setzen, wenn sie das Grundstück erwerben kann. Die Gemeinde hat jedoch vor vielen Jahren beschlossen, keine direkten Strandgrundstücke an private Investoren zu verkaufen. So wurde seit dem Gutachten 2017 keine Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Das Amt für Denkmalschutz und die Stadt wollen nun eigene Gutachten erstellen lassen, um zu prüfen, ob der Sanierungsbedarf wirklich so hoch ist wie angeben.

Viele Bauten von Müther befinden sich in desolatem Zustand

Bereits kurz nach der Wende wurde der Teepott ab 1991 für zehn Jahre geschlossen. Es gab verschiedene Pläne, das Gebäude zu nutzen, jedoch konnte sich auf keinen geeinigt werden. 2001 und 2002 wurde das Gebäude schon einmal instand gesetzt und dadurch vor einem Abriss gerettet. Das Gebäude reiht sich damit in das Schicksal vieler anderer Bauten von Ulrich Müther ein – von seinen insgesamt 74 Bauten sind viele von Verfall bedroht. Ein Restaurant in Berlin sowie die Konzertmuschel auf Rügen wurden bereits abgerissen, ebenso die ehemalige Messe in Magdeburg.

Auch die Magdeburger Hyparschale befindet sich in einem schlechten Zustand. Die Instandsetzung des Gebäudes soll rund 17 Millionen Euro kosten und danach als multifunktionales Tagungszentrum verwendet werden. Die ersten Arbeiten an der Halle sind für das nächste Jahr geplant. Bei der Instandsetzung soll der neuartige Carbonbeton zum Einsatz kommen. Neben Einsparungen im Gewicht, um die Dachkonstruktion zu entlasten, können dadurch auch Kosten eingespart werden.